SEO-Schinderei

SEO Schinderei: Wieso die ersten 6 Monate so mühsam sind

Achtung: Es folgt ein absolut ehrlicher Blogbeitrag – ganz ohne Bullshit! Das schwierigste für eine SEO-Agentur bzw. als SEO ist es Geduld zu haben, wenn der Kunde die Geduld verliert. Nach allen Regeln der Kunst wird versucht die Platzierungen des Kunden zu verbessern. Man optimiert die Inhalte, ändert die Seitenstruktur, verbessert Landing Pages, holt sich hochwertige Backlinks, optimiert die Nutzererfahrung und und und. Trotzdem tut sich nichts. Genau darum geht es in diesem Beitrag.

Jeder SEO weiß wovon ich spreche. Es kann schrecklich frustrierend sein. Vor allem, weil Kunden schnelle Ergebnisse sehen wollen. Häufig klappt das aber nicht – was folgt ist das große Drama.

Wie Google den schnellen Aufstieg verhindert

Der Grund für dieses Phänomen ist, dass Google viele unterschiedliche Trigger im Algorithmus hat, die prüfen ob die Anstrengungen es wert beziehungsweise natürlich und gleichmäßig genug sind, um mit einer besseren Platzierung belohnt zu werden. Hierbei kann der Algorithmus beispielsweise feststellen, dass alles ein wenig zu schnell geht und aus diesem Grund Ranking-Verbesserungen verzögert.

Es ist nämlich nicht so, als ob ich eine OnPage-Änderung durchführe oder einen Backlink setze, Google diese beim Crawlen entdeckt und mich daraufhin sofort besser rankt. Nein, alles wird evaluiert, verglichen und in Abhängigkeit von der Autorität (und anderen Faktoren) der Webseite entschieden. Das Ganze passiert auch nicht von heute auf morgen, sondern zeitverzögert. Und diese Verzögerungen können Wochen oder gar Monate umfassen.

Genau aus diesem Grund sieht man beim Sichtbarkeitsindex häufig Plateaus. Es ist nicht so, als ob nichts gemacht werden würde – nein, Google vertraut dem Ganzen noch nicht oder der Aufwand wurde noch nicht als würdig erachtet.

Sichtbarkeitsindex bergland-pertisau.com

Stetiges Wachstum ist bei Suchmaschinenoptimierung eher selten. Eher sieht man Plateaus und große Sprünge, wenn Google einen „neuen Level freischaltet“.

Stetiges Wachstum gibt es nur in den seltensten Fällen. Das geht auch nur bei eigenen Projekten ohne Zeitdruck. Ein gutes Beispiel hierfür ist unsere eigene Webseite.

Sichtbarkeitsindex evergreenmedia.at

Wenn es keinen Leistungsdruck gibt und SEOs alle Entscheidungen selbstständig treffen können, dann kann der Verlauf auch so aussehen.

SEO ist ein Prozess. Wer das nicht versteht, wird in den ersten 6 bis 12 Monaten leiden. Denn so ist es nun einmal. Eine Pflanze wächst auch nicht schneller durch mehr Willenskraft und unendlich viel Dünger. Wachstum ist ein natürlicher Prozess der vor allem eines braucht – Zeit!

Die Phasen einer SEO-Kampagne

Phase 1: The Honeymoon

Am Anfang eines neuen Projektes gibt es viel zu tun und jede Änderung kann bereits schnell zu deutlich besseren Platzierungen führen. Immerhin ist das Projekt neu, sodass im Verhältnis jede Verbesserung ein großer Fortschritt ist.

Phase 2: The Grind

Um weiterhin Ranking-Verbesserungen zu erzielen wird der Aufwand aber stetig größer. Extrem viel größer sogar. Es muss ein großer Aufwand betrieben werden, um kleine Fortschritte zu generieren. Auch Rückschritte sind in dieser Phase ganz normal. In der mittleren Phase stehen Aufwand und Resultate in keinem guten Verhältnis.

Phase 3: The Snowball

Langfristig pendelt sich dann alles ein und man bekommt den sogenannten Schneeballeffekt zu spüren, der SEO so lukrativ macht. Neue Keywords können schneller erobert werden und die Sichtbarkeit wächst überproportional verglichen zum Aufwand. Best Practices sind umgesetzt und müssen nur aufrechterhalten werden.

Übrigens: Diese Phasen lassen sich auch auf Gruppen von Keywords und Teilbereiche einer Webseite anwenden. In einer Kampagne kann es jedoch auch herbe Rückschläge geben. Nämlich wenn eine Webseite von einem Filter betroffen ist, abgestraft wurde oder durch viele 404 Fehler an Rankings verliert. Deshalb ist SEO auch nach 12 Monaten kein Selbstläufer.

So können Sie auch die ersten Monate einer SEO-Kampagne genießen

Erwartungen vs. Realität

Nicht-SEOs haben oft völlig falsche Vorstellungen und Erwartungen an Suchmaschinenoptimierung. Sei es ein Kunde, ein Manager oder eine andere Abteilung – alle glauben, dass es mit einer großen Investition losgeht und wenn das Projekt Fahrt aufnimmt ist die Geschichte gegessen.

Ja, es geht darum den Ball ins Rollen zu bringen, aber das dauert länger als Sie vermutlich glauben. Oder sind Sie der Meinung, dass man in 3 bis 6 Monaten zur Autorität in einer Branche wird? Wenn ich heute in die Politik einsteige, werde ich es kaum schaffen in einem Jahr zum Präsidenten gewählt zu werden.

Wenn das Projekt wirklich Fahrt aufnimmt, wird es leichter. Bis dahin müssen die Best Practices aber erst einmal umgesetzt und von Google „akzeptiert“ werden.

Diese Lücke zwischen Erwartungen und Realität sorgt oft für Unzufriedenheit. Egal wie oft man das Thema durchkaut, es bleibt eine heikle Angelegenheit, die Kunden frustriert.

Zu meinen liebsten Erwartungen zählen…

„SEO ist eine einmalige Geschichte“

Nein, ist es überhaupt nicht. Oder ist Gärtnern eine einmalige Geschichte? Es müssen ständig neue Inhalte optimiert, neue Verlinkungen aufgebaut werden und so weiter und so fort. Man bleibt nicht beliebt nur weil man früher einmal zu den „Besten“ gehört hat. Die Zeiten ändern sich. Google ändert sich. Die Konkurrenz ändert sich. Wer bremst verliert.

„Sobald meine Seite optimiert ist, ist sie für immer perfekt“

Ähm, nein. Es müssen ständig Anstrengungen unternommen werden, um am Ball zu bleiben. Wenn man das beste Produkte auf den Markt bringt, bleibt es nicht lange das beste Produkt, wenn es nicht ständig weiterentwickelt und optimiert wird. Wer rastet, der rostet.

„Wenn es mal gut läuft, geht es nur noch bergauf“

Menschen neigen dazu sich sofort über sichtbare Resultate zu freuen und zu feiern. Wenn es so gut läuft, muss es doch zwangsläufig so weitergehen, sprich im nächsten Quartal haben wir dann doppelt so viele Besucher.

Nein. Es kann sich um eine kurzfristige Ranking-Verbesserung handeln. Es kann sein, dass Google gerade am Algorithmus herumexperimentiert und die Änderung wieder rückgängig macht. Mein Motto: Immer cool bleiben. Der Prozess ist was zählt. Stabilität ist das Ziel.

Wer abhängig von SEO ist, ist selber schuld

Es ist essentiell, dass SEO nicht der einzige Traffic Channel ist. Wenn alles steht und fällt mit Ihren Rankings, dann ist nicht Suchmaschinenoptimierung das Problem, sondern Ihr Business Model. Da hilft es auch nicht, wenn Sie Ihrem SEO panische E-Mails schicken. Er oder sie ist in diesem Fall nicht für die Misere verantwortlich.

Kümmern Sie sich um alternative Traffic-Quellen. Generieren Sie Traffic über:

  • Google AdWords
  • Gastartikel
  • Frage&Antwort-Portale
  • Foren
  • Blogkommentare
  • Social Advertising
  • Referrals
  • Social Media Marketing
  • Offline-PR
  • E-Mail Marketing
  • Branding

Stichwort: Risikostreuung. Ein Unternehmen mit nur einem Standbein ist kein Unternehmen, sondern eine tickende Zeitbombe.

Ein weiteres Argument: Aus meiner eigenen Erfahrung sind Webseiten mit vielen unterschiedlichen Besucherquellen auch in der organischen Suche erfolgreicher.

Anfangs nur Indikatoren messen, weniger auf Rankings achten

Zu Beginn einer SEO-Kampagne ist es nicht sinnvoll sich auf die Platzierungen zu versteifen. Gewonnene Rankings sind bei einem neuen Projekt auch schnell wieder verloren.

Im Idealfall sollten Sie auf Indikatoren, wie z.B.:

…achten.

Diese Punkte korrelieren gut mit Rankings. Denken Sie sich einfach, dass Google Zeit braucht, um Ihr Projekt kennen und lieben zu lernen. Wie immer sollte der Prozess im Mittelpunkt stehen.

Auch wenn Sie sich diesen Blogbeitrag jetzt durchgelesen haben, kann ich Ihnen versprechen, dass Sie die Panik zwischendurch packen wird. Deswegen unbedingt ausdrucken und wenn nötig aus der Schublade holen. Suchmaschinenoptimierung braucht viel Geduld, aber zahlt sich aus. Wichtig ist, dass man am Ball bleibt, keine kurzfristigen Entscheidungen trifft und sich an den Plan hält. Dann wird alles gut.

Alexander Rus

Alexander Rus

Geschäftsführer at Evergreen Media AR GmbH
Seit 2009 ist Alexander besessen von Suchmaschinenoptimierung und brach für seine neu gefundene Leidenschaft sogar sein Informatikstudium im 6. Semester ab. Bis 2012 beschäftigte er sich ausschließlich mit seinen eigenen Affiliate-Projekten. Alexander hasst Gerede ohne Tests, glaubt nur an harte Zahlen und liest in seiner Freizeit gerne die Patentanmeldungen von Suchmaschinen. Das wichtigste Buch für seinen Werdegang ist "The Fountainhead" von Ayn Rand.
3 Kommentare
  1. Cla
    Cla sagte:

    Super Artikel! Bin recht neu in der SEO-Welt und ich habe auch einige falsche Vorstellungen gehabt. Ich finde es sehr gut wie du das ganz klar und strukturiert erklärst. Ich kann mich jetzt dank dem Beitrag auf jeden Fall mal darauf einstellen, wie lange sowas überhaupt dauern kann^^

    Antworten

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