SEO Webdesign

SEO Webdesign 1×1: 10 eiserne Regeln für Webdesigner

Der Beruf des Webdesigners ist ungeschützt, also darf sich jeder als Webdesigner bezeichnen. Besonders für Laien ist schwer zu erkennen, welcher Anbieter sein Handwerk beherrscht und wer nur ein Schwätzer ist. Heutzutage muss eine Firmenwebseite mehrere wichtige Punkte erfüllen: Sie muss für Suchmaschinen verständlich und gut zugänglich sein, sie muss Besucher fesseln und das Allerwichtigste: Die Unternehmensseite muss Besucher zu Kunden machen.

Diese Anleitung dient dazu, dass zumindestens die SEO Basics erfüllt sind, sodass Ihre zukünftige SEO-Agentur sich nicht gleich die Kugel geben muss und Sie nicht zweimal für eine neue Webseite bezahlen müssen. Grottenschlechtes Webdesign hat mich leider bereits um den einen oder anderen Kunden gebracht…

Besseres Webdesign macht alle erfolgreicher

Sie als Unternehmer werden mit diesen Regeln eine Menge Geld sparen, denn Sie müssen die Seite nicht noch einmal designen lassen, weil Ihr nicht SEO versierter Webdesigner alles verbockt hat. Außerdem wird Ihre SEO-Agentur durch gute Voraussetzungen schneller Ergebnisse liefern können.

Warum sollten Sie diese Regeln kennen?

  • Bauernfänger Webdesigner werden sofort entlarvt
  • Größere Auswahl an guten SEO-Dienstleistern
  • Schneller gefunden werden durch ein ordentliches Fundament

Doch an dieser Stelle ist ein Disclaimer angebracht: Diese Anleitung wird Ihren Webdesigner und vielleicht auch Sie zur Weißglut bringen. Weiterlesen und Verwendung also auf eigene Gefahr!

Warum sollten Webdesigner diese Regeln befolgen?

  • Webdesigner mit SEO-Kenntnissen sind wie Einhörner
  • Klassisches Webdesign wird in den nächsten Jahren aussterben
  • Es kann mehr verlangt werden, da es keine Konkurrenz gibt

Jaja, SEO ist nicht Aufgabe des Webdesigners. Aber: Eine Firmenwebseite ist dazu da gefunden zu werden. Bei dieser Anleitung steht SEO auch nicht wirklich im Mittelpunkt. Die 10 Regeln sollen lediglich sicherstellen, dass die erstellte Firmenwebseite nicht völlig wertlos ist bzw. das Unternehmen die Möglichkeit hat in Zukunft erfolgreich Suchmaschinenoptimierung zu betreiben.

Meine Reaktion, wenn ich mich über einen neuen Kunden freue, dann aber dessen “tolle, neue” Webseite zum ersten Mal zu Gesicht bekomme…

Achja, bevor ich es vergesse – Hier die Präsentation zu diesem Blogartikel:

Für weitere aufregende und hilfreiche Präsentationen folgen Sie mir auf SlideShare!

10 eiserne Regeln für hochwertiges SEO Webdesign

Es werden im Folgenden nur die absoluten Basics speziell für Webdesigner behandelt. Die letzte Warnung: Dies ist kein Guide zur OnPage-Optimierung.

1. Der Kunde ist nicht König: Oder lassen Sie die Person ohne Führerschein fahren?

Meiner Meinung nach entstehen die schlechtesten Webseiten dadurch, dass der Kunde als König behandelt wird. Aber lass uns ehrlich sein: Der Kunde hat keine Ahnung und labert nur davon was ihm gefällt. Die Anzahl der Meinungen ist also 1 und die Menge an Wissen und Erfahrung 0.

Damit kann der Kunde schon einmal nicht König sein, außer er wirft gerne Geld zum Fenster hinaus. Ich sage meinem Steuerberater auch nicht, wie er seine Arbeit machen soll. Dann gäbe es am Ende viele Tränen von meiner Seite. Webseitenerstellung ist da genauso!

Voraussetzung für eine gute Internetseite ist also, dass der Kunde versteht, dass seine Meinung nur beschränkt von Bedeutung ist. Das Ziel einer Firmenseite ist es das Unternehmen erfolgreicher zu machen und nicht dem Kunden ein warmes Gefühl zu geben.

Natürlich je nach Vereinbarung! Über Ego Webdesign will ich an dieser Stelle nicht anfangen…

2. Das CMS: Leicht zu bedienen & passend zum Anwendungsgebiet

Ein Content Management System sollte immer nach dem Anwendungsgebiet gewählt werden. Wenn eine kleine Firmenseite mit 10 bis 50 Unterseiten gemacht wird, ist TYPO3 ein absoluter Overkill (“Komplex und wenig intuitiv”). Ungeachtet dessen wird TYPO3 in Österreich und Deutschland sehr häufig für diesen Zweck missbraucht.

Nein, WordPress ist kein Blogsystem. Das war es ca. vor 5000 Jahren. Willkommen in 2014! Nur mal einige unbekannte Namen, die auf WordPress vertrauen: Sony Music, Vogue, NASA,…

Achja, die Begriffe Frames, Javascript Menü und Flash sollten im Idealfall vergessen werden, sonst holt dich der Rochus.

3. Verrückte Designs: Kreativität ist gut, Usability ist besser

Ja, eine tolle, kreative Seite verzaubert den Kunden und macht ihn blind gegenüber der Wahrheit. Das Ergebnis ist zwar magisch, aber unverwendbar für Besucher und unverständlich für Suchmaschinen.

Webdesigner neigen dazu entweder immer genau das gleiche Design zu gebrauchen und lediglich die Texte und Bilder auszutauschen oder noch schlimmer: Es gibt keine Grenzen mehr und der Kreativität wird freien Lauf gelassen. Alles ist möglich, alles erlaubt.

Die entstandene Website kann zwar niemand verwenden, aber das ist den meisten Webdesignern egal, denn sie werden bezahlt und damit ist der Auftrag erledigt. Ich sage NEIN: Kreativität ist wichtig, aber Usability und damit Webstandards sind das Fundament.

Meine Buchempfehlung: Don’t make me think von Steve Krug. Eine kurze Zusammenfassung gibt es bei Search Engine Journal.

4. Gigantische Slider: Ein Trend des Grauens

Es gibt keine Vorteile von kolossalischen Slidern. Ende.

Die Inhalte werden ins Nichts geschoben. Damit mache ich weder Besucher noch Suchmaschinen glücklich. Höchstens der Kunde ist glücklich, da der Slider mit Fotos vom ihm gefüllt ist.

5. Navigation für Dummies: Logik trumpft exotische Ausdrücke

Die Navigation sollte so sein, wie es Interessenten aus der jeweiligen Niche von Konkurrenten gewohnt sind. Wenn Ihre Großmutter die Navigation versteht, ist alles im Lot.

“Fancy” Wörter um klüger rüber zu kommen, sind nicht nur peinlich, sondern verwirren den Benutzer.

Yoda Webdesign

Verwirrung führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid – Yoda

6. Topic Pages: Jede Leistung hat einen eigenen Platz

Viele Firmenseiten haben alle Leistungen / Produkte auf einer Unterseite, wir auch. Idealerweise sollte aber zusätzlich für jede einzelne Leistung bzw. jedes einzelne Produkte eine “Landing Page” eingerichtet werden. Hier kann das Produkt bzw. die Dienstleistung näher vorgestellt werden. Allein mit dieser Vorgehensweise ist schon viel für die Suchmaschinenoptimierung getan.

7. Meta Daten: Title Tag & Meta Description

SEOs reden immer über Tags und Meta-Elemente wie Title Tag und Meta Description, aber das hat seinen Grund. Auch neuesten Daten zu Folge ist die Click-Through-Rate von den Suchergebnissen zur Webseite ein wichtiger Ranking-Faktor.

Nein, als Webdesigner muss man kein Profi sein und alles perfekt ausfüllen, aber es sollte die Möglichkeit bestehen die Daten kinderleicht zu ändern / hinzuzufügen. Für alle Webdesigner, die sich trotzdem damit beschäftigen wollen:

8. Noise: Wiederholende Textfragmente sind ein Problem

Vermutlich ist das Problem mit duplikaten Inhalten auch in die Welt der Webdesigner vorgedrungen, jedoch machen nicht nur komplett duplikate Seiten Probleme. Textbausteine, die immer wieder auftauchen, erzeugen sogenannten Noise. Sie schmälern den Fokus der jeweiligen Unterseite und schaden somit der für Google so wichtigen Relevanz.

Falls der Textbaustein unbedingt nötig ist, einfach als Bild realisieren. Das funktioniert im Moment sehr gut, könnte aber in Zukunft von Google erkannt werden. Deswegen lieber die Informationsarchitektur von Anfang an richtig gestalten, dann sind solche Tricks nicht nötig.

9. Saubere, gut strukturierte URLs: Verständliche URLs für glückliche Besucher & Suchmaschinen

Panda URL

Sprechende URLs waren mal richtig wichtig für SEO, aber haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung verloren. Dennoch machen auch heutzutage sprechende URLs durchaus Sinn, da sie für den Benutzer angenehmer zu lesen und verwenden sind. Deswegen unbedingt Clean URLs realisieren!

Dann gibt es noch Webdesigner, die glauben SEO zu beherrschen, aber einfach nur üble Überoptimierer / Spammer sind. Ihre Kreationen sehen in etwa so aus:

http://www.hotel-edelweiss.cc/tirol/hotel-4-sterne/sommer/buchen/jetzt-sofort/so-viele-keywords/wie-möglich/mehr-ist-immer-besser/

Nein nein nein, wo ist der Hausverstand? Wie würde ein “normaler” Mensch dies realisieren?

http://www.hotel-edelweiss.cc/sommerurlaub/wandern/
http://www.hotel-edelweiss.cc/winterurlaub/rodeln/

10. Schnelle Ladezeiten: Auch eine schöne Firmenseite muss nicht langsam sein

Für manche Firmenseiten sind große Bilder und andere belastende Medien unausweichlich, weil nur so gut kommuniziert werden kann. Vollkommen verständlich und vollkommen legitim. Aber auch eine solche Unternehmenswebseite muss nicht langsam sein, sondern kann durch Caching und ein Content Delivery Network beschleunigt werden. Der Aufwand ist in jedem Fall als gering einzuschätzen.

Weiters kann die Dateigröße von Bildern kinderleicht mit kostenlosen Online-Tools reduziert werden:

Warum sind keine anderen Bildformate aufgeführt? Weil BMP im Internet nichts zu suchen hat. Ja, wir leben im Jahr 2014!

Da fehlt doch eine ganze Menge für gute OnPage-Optimierung

Stimmt, aber OnPage-Optimierung ist auch nicht Aufgabe des Webdesigners. Dafür gibt es SEO-Dienstleister. Falls Sie Webdesigner sind und trotzdem Interesse an besseren SEO-Skills haben, empfehle ich diese Anleitung von tuts+ oder gleich die volle Dröhnung von Moz.

Fehlt etwas wirklich Grundlegendes? Bitte hinterlassen Sie mir einen Kommentar. Gibt es einen Punkt, der Sie besonders aufregt? Über Ihr Feedback würde ich mich freuen.

Wenn all diese Regeln befolgt werden, hat Ihre Firmenseite eine Menge Potenzial. Wenn nicht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie nochmals für Webdesign zahlen müssen, sollten Sie den Channel Suchmaschinenoptimierung nutzen wollen. Ein Webdesigner, der nach diesen Geboten arbeitet, ist Gold wert und sollte auch dementsprechend bezahlt werden!

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Alexander Rus

Geschäftsführer bei Evergreen Media AR GmbH
Seit 2009 bin ich besessen von Online Marketing und besonders Suchmaschinenoptimierung hat es mir angetan. Bis 2012 habe ich mich ausschließlich mit meinen eigenen Webprojekten, vorrangig Affiliate Marketing, beschäftigt. Ich liebe WordPress, hasse Gerede ohne Tests, bin kaffeesüchtig und ein richtiger SEO-Nerd, der in seiner Freizeit sogar die Patentanmeldungen von Suchmaschinen liest.
4 Antworten
  1. René
    René says:

    Gibt es eigentlich einen SEO, der nicht auch gleich etwas zum Design der Webseite sagt? Irgendwie ist das Webdesign doch im Aufgabenbereich des SEO. Wenn ich einen Kunden mit einer Webseite übernehme bei der das Design aus welchen Gründen auch immer nicht passt, dann wird das meist gleich als erstes angepasst. Ich zähle von daher auch das Design/Theme zu meinen Aufgaben. Möchte der Kunde ein Theme/Design weiter verwenden, welches heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt, weil er dies einmal teuer bezahlt hat – „Sorry, aber dann kann ich nicht viel für Sie tun.“

    LG

    René

    Antworten
    • Alexander Rus
      Alexander Rus says:

      Hallo René,

      sehe ich genauso, aber vor allem die Webdesigner selbst reagieren immer sehr schnippisch, wenn man sich in ihren “Bereich” einmischt 🙂 Auch wenn man es nur gut meint und sie noch etwas dabei lernen könnten…

      Viele Grüße aus Innsbruck,

      Alex

      Antworten
  2. Andy
    Andy says:

    Interessanter Beitrag. Ich bin Webdesigner und kann dem nur zustimmen. Webdesign hat aber mit dem klassischen Webdesign von vor 10 Jahren nichts mehr zu tun. Man muss als Webdesigner auf dem Laufenden bleiben und bereit sein dazuzulernen. Es reicht heutzutage nicht mehr, nur reines Webdesign anzubieten. Was nützt einem Kunden eine schöne Webseite, wenn sie nicht gefunden wird?

    Apropos Kunde, am besten gefällt mir der Satz “Voraussetzung für eine gute Internetseite ist also, dass der Kunde versteht, dass seine Meinung nur beschränkt von Bedeutung ist.”. Nur sind viele Kunden leider Beratungsresistent und man bekommt des öfteren zu hören – “Mir gefällt meine Seite, die soll so bleiben. Ich will nur SEO”. Da hat man es schwer diese Kunden vom Gegenteil zu überzeugen. Wie gehst Du in solch einem Fall vor?

    Antworten
    • Alexander Rus
      Alexander Rus says:

      Hallo Andy,

      freut mich sehr, dass von einem Webdesigner zu hören. Die wenigsten wollen sich weiterbilden oder auf Empfehlungen hören 😉

      Naja, ich bekomme mittlerweile recht wenig beratungsresistente Kunden, da ich nur Inbound Marketing mache, wodurch die Kunden gewissermaßen schon wissen, worauf sie sich bei mir einlassen. Wie in meinen Artikeln, rede ich auch in der “realen” Welt nicht um den heißen Brei herum.

      Ansonsten: Einfach klar machen, dass die SEO-Kampagne mit der alten Webseite länger dauert und die Ergebnisse auch langfristig schlechter sein werden. Oder das selbe Spiel aus Sicht der Usability und damit Conversion.

      Und wer nicht will, der hat halt Pech gehabt.

      Viele Grüße aus Innsbruck,

      Alex

      Antworten

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